Ist bei Jungs oder bei Mädchen die Pubertät schlimmer?
Ich habe mit meinen Freundinnen darüber diskutiert.
Liebe Juna
Vielen Dank für deine Frage. Ob die Pubertät für Jungs oder Mädchen schlimmer ist, lässt sich nicht pauschal sagen, denn “schlimmer” sieht bei Jungen und Mädchen unterschiedlich aus. Die Forschung zeigt eher unterschiedliche Belastungsmuster als ein klares Gefälle.
Mädchen zeigen in der Pubertät häufiger internalisierende Probleme (d.h. psychische Belastungen, bei denen sich das Leiden nach innen richtet, statt im Verhalten gegenüber anderen sichtbar zu werden). Die Raten für Depression und Angststörungen steigen ab etwa 12 bis 14 Jahren deutlich an, und bei Mädchen stärker als bei Jungen. Auch Essstörungen und selbstverletzendes Verhalten treten häufiger auf. Hinzu kommen oft ein stärkerer Körperbild- und Beziehungsstress (Freundschaften, soziale Medien). Die körperliche Reifung beginnt früher, was bei frühreifen Mädchen zusätzlich ein Risikofaktor sein kann.
Jungen zeigen eher externalisierende Probleme: Regelverstösse, Aggression, Risikoverhalten, Substanzkonsum. Das fällt im Umfeld meist mehr auf und wird schneller als “schwierig” erlebt. Gleichzeitig ist bei Jungen das Risiko für vollendeten Suizid höher, während Mädchen häufiger Suizidversuche unternehmen. Jungen holen sich zudem seltener Hilfe, wodurch innere Belastungen länger unbemerkt bleiben können. Der Pubertätsbeginn ist später, was für spät reifende Jungen belastend sein kann.
Was oft verwechselt wird: Die Pubertät ist für das Umfeld bei Jungen häufig lauter, für die Betroffenen selbst bei Mädchen im Durchschnitt emotional belastender. Das ist aber ein Gruppenmittel. Die Unterschiede innerhalb der Geschlechter sind viel grösser als zwischen ihnen, und Faktoren wie Familie, Peers, Schule und individuelle Veranlagung spielen eine mindestens so grosse Rolle.
Ich hoffe dir damit deine Frage einigermassen beantwortet zu haben.
Herzliche Grüsse
Chantal