Wie kann ich über die Gesellschaft nachdenken und doch die Wahl einer Familie respektieren? Warum erwarten wir von Frauen, dass sie überhaupt Kind oder Karriere wählen?

Wie kann ich über die Gesellschaft nachdenken und doch die Wahl einer Familie respektieren?

Wenn wir Frauen zuhören…

Wenn wir Frauen (oder Familien) fragen und ihnen auch zuhören, erfahren wir in den meisten Fällen auch die Gründe ihrer Entscheidungen. Das ist ein einfaches Prinzip: wir (als Forscherinnen oder kritische Mitbürgerinnen) sollten Frauen als kompetente Akteurinnen ernst nehmen und immer davon ausgehen, dass sie gute Gründe haben für ihre Entscheidungen, die sie auch erklären können. Die Geschichten von Frauen, die wir dann zu hören bekommen, werden uns auch Auskunft geben über strukturelle Zwänge: waren haushaltsökonomische Überlegungen wichtig für eine vereinbarte Arbeitsteilung? War die Zeit mit dem Neugeborenen anstrengend und der vorgesehene Mutterschaftsurlaub nicht ausreichend? Ist der Beruf spannend, erfüllend und gut bezahlt?

…und nicht unsere eigenen Kriterien verallgemeinern

Was wir vermeiden sollten: unsere eigene Kriterien für ein gutes Frauenleben verallgemeinern und zu einem abstrakten Prinzip erheben. Denn das führt unweigerlich dazu, dass wir Frauen an der "Fortschrittlichkeit" ihrer Lebensentscheidungen (und also an unseren eigenen Kriterien) messen. Als Historikerinnen oder Sozialanthropologinnen versuchen wir, Menschen in anderen zeitlichen und kulturellen Kontexten zu verstehen und uns ihre Welten (mit ihren eigenen Kriterien des Guten) zu erschliessen. Das heisst, wir wollen etwas von ihnen lernen und es möglichst vermeiden, die Begriffe und Kategorien unserer eigenen Welt zu exportieren in andere Kontexte.

Warum erwarten wir von Frauen, dass sie überhaupt Kind oder Karriere wählen?

Kind und Karriere

Die meisten Frauen sind heute eher mit der Erwartung konfrontiert, dass sie Kind und Karriere vereinbaren sollen. Gleichzeitig ist die sogenannte Vereinbarkeit in der Schweiz besonders erschwert. Die meisten Familien sind auf zwei Einkommen angewiesen, gleichzeitig ist die staatliche Unterstützung für Familien minim (sehr kurzer Mutterschaftsurlaub, keine Elternzeit, hohe Kinderbetreuungskosten, hohe Wochen- und Jahresarbeitszeiten, etc...).

Hohe Arbeitsbelastung und hohe Einkommenseinbussen

Viele Mütter entscheiden sich unter diesen Umständen für eine Teilzeitbeschäftigung und nehmen damit eine sehr hohe Arbeitsbelastung (bezahlte und unbezahlte Arbeit zusammengerechnet) und gleichzeitig empfindliche Einkommenseinbussen in Kauf. Wir sollten als Gesellschaft darüber nachdenken, welche politischen Massnahmen notwendig sind, um die Handlungsspielräume von Müttern (und Vätern) zu erweitern, die (im europäischen Vergleich sehr hohe) Arbeitsbelastung insgesamt zu verringern und die (ebenfalls sehr grosse) Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern zu schliessen.

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